Das Samenkorn, das noch schläft: Wenn Zweifel wie Unkraut wachsen
Bevor der erste Pinselstrich das Papier berührt, liegt das Bild noch wie eine Samen in der Erde.
Es ist ein stiller, dunkler Boden,in dem sich das Samenkorn regt,es ist noch nicht gekeimt aber der Boden ist vorbereitet und der Samen ist gesetzt. Die Idee des Bildes fühlt sich an wie in einem Garten, der im Winter ruht, hier ist alles verborgen. Man sieht es noch nicht aber es ist schon da. Das Samenkorn liegt schlummend im Verborgenen, bereit zu keimen, aber die Sonne und der Regen fehlen noch, damit es wachsen und gedeihen kann.
Doch bevor der Keim die Erde durchbricht muss ich mich mit den Unkraut auseinandersetzen, die zwischen den Samen sprießen. Es sind die Zweifel und Ängste immer wieder erscheinen:
Ist dieser Boden wirklich fruchtbar genug für dieses Bild?
Andere Gärtner könnten diese Blüten vielleicht viel leichter ziehen.
Was, wenn die Blüte verwelkt, bevor jemand sie sieht?
Was, wenn das Ergebnis nur ein verwelktes Blatt ist, das niemand wertschätzt?
Oft kommt der Gedanke auf die Arbeit lieber auf den nächsten Tag zu verschieben. Morgen, wenn der Boden wärmer ist, wenn ich mehr Erfahrung habe, wenn die Bedingungen perfekter sind. Diese Gedanken sind wie Unkraut, das den Nährboden verdirbt und den Samen erstickt, bevor er keimen kann.
Doch ich weiß: Ein Garten lebt nur, wenn jemand ihn betritt und ihm Aufmerksamkeit schenkt. So ist es auch mit meinen Bildern. Jeder Schritt ist ein Ja zum Bild und zum Garten der Farben. Das Schneiden des Papiers ist wie das Lockern des Bodens – es macht es möglich, dass das Wasser eindringt und das Samenkorn keimen und Wurzeln fassen kann.
Wenn ich mich entscheide, den ersten Schnitt zu setzen, verdrängt die Arbeit die Zweifel. Die Angst vor dem Frost weicht der Wärme der Konzentration. Und in dem Moment, in dem ich beginne zu arbeiten, spüre ich: Der Boden ist bereit. Der Samen ist gesetzt. Und der Garten der Farben wartet nur darauf, weiter zu wachsen.